Die Somsdorfer Eiben


Im Somsdorfer Wappen sieht man eine Eibe, umschwärmt von Bienen, was ein Hinweis auf die stark betriebene Bienenzucht in früheren Zeiten ist. Dieser alte Baum stand auf dem Gut der Familie Rüger, das am Graben hinter der alten Schule liegt. Der Baum war schätzungsweise 800 – 900 Jahre alt und war das Wahrzeichen Somsdorfs. Diese Eibe scheint also schon zur Zeit der Ortsgründung, um das Jahr 1200, da gewesen zu sein. Der Sage nach sollen schon die alten Germanen unter dem Baum ihre Gerichtstage abgehalten haben, was aber wirklich nur eine Sage sein dürfte. Als der Baum gefällt wurde, war er nur noch eine Ruine, der Stamm war seit langer Zeit hohl und trug nur noch zwei grüne Äste. Im “Tharandter Forstlichen Jahrbuch” vom Jahrgang 1879 wird der Baum näher beschrieben. Als Stammhöhe werden 15 Fuß

(4,25m) und als Gesamthöhe 28,5 Fuß (8,07m) angegeben. Zu Berühmtheit kam der Baum aber schon eher, durch Professor Roßmäßler, welcher zwischen 1830 und 1850 an der Forstakademie in Tharandt wirkte. Er hatte die Eibe in seinem Buch “Der Wald” beschrieben, wodurch sie im ganzen Land bekannt wurde. Da es der stärkste Eibenbaum in Sachsen war, zog er viele Besucher an. Dieser ganze Trubel wurde dem damaligen Besitzer wohl lästig, deshalb und weil er sicher auch die Bedeutung des Baumes falsch einschätzte, ließ er ihn 1873 oder ´74 fällen. Im Jahr 1899 kam ein Bautzner gelehrter nach Somsdorf und grub die Wurzeln aus. Als Wappenbaum von Somsdorf erscheint er zum Ersten mal im  Jahr 1765 auf dem “Sumsdorffer Gerichtssiegel”. Darauf ist der Baum noch in voller Belaubung und von Bienen umschwärmt zu sehen. Vom alten Gerichtssiegel wurde der Baum in gleicher Form auch auf das Gemeindesiegel übernommen. Auch das alte Kirchensiegel weist auf die Eibe hin, es zeigt einen einzelnen Eibenzweig auf einer offenen Bibel. Das neuere Siegel, seit 1902 in Gebrauch, zeigt

die alte Somsdorfer Eibe

den Baum so wie er im Forstl. Jahrbuch von 1851 abgebildet war. Einige Ableger der Somsdorfer Eibe wurden im ehemaligen Kleinjungschen Park in Hainsberg (vermutlich der Park am späteren Krankenhaus) eingepflanzt. In Somsdorf steht auch heute noch eine schöne Eibe im Pfarrgarten, sie wurde zum Naturdenkmal erklärt. Pfarrer Dr.Türke schrieb in seiner Chronik von Somsdorf über diesen Baum: “Ein schöner, freilich nicht von ihr (der alten Eibe) abstammender, sondern um 1840 aus dem Tharandter Forstgarten hierher verpflanzter Eibenbaum steht in dem zur Pfarre gehörigen Vorgärtchen und soll allmählich zu einem neuen Wahrzeichen Somsdorfs heranwachsen.” Diese Aussage ist so aber nicht

Eibe im Pfarrgarten

richtig, denn aus einem Sitzungsprotokoll des Gemeinderates vom 15.04.1847 geht hervor, dass von Herrn Förster Muth ein junger Eibenpflänzling gekauft wurde, und dieser dann am 7.April 1847 im Pfarrgarten gesetzt wurde. Einige Jahre zuvor hatte die Schwiegermutter des Försters diesen Pflänzling als Ableger von der alten Eibe genommen, und ihn zum Wachsen gebracht. Als diese von Tharandt wegzog, schenkte sie den kleinen Baum ihrem Schwiegersohn, und dieser verkaufte ihn dann für 1Thaler und 15 Neugroschen an die Somsdorfer Gemeinde. Vor dem Krieg wurde am Dorfplatz ein Steingarten angelegt, in dessen Mitte sich ein Rundteil mit dem  Somsdorfer Wappen befindet. Auch auf diesem Rundteil wurde eine Eibe gepflanzt, welche aber einging. Im Jahr 1956 wurde durch Herrn Konrad Schumann erneut auf dem Rundteil eine Eibe gepflanzt, doch leider steht auch dieser Baum nicht mehr.