Der Sportplatz


Vom Dorfplatz in Richtung Siedlung liegt rechts des Weges der ”neue” Sportplatz. In früheren Zeiten war dieses Stück Land eine Rohstoffquelle für die früher hier gelegene Ziegelei. Wo einst Lehm für die zu brennenden Ziegel gestochen wurde, schufen fleissige Hände in den Jahren von 1951 bis 1954 auf dieser, von der Bevölkerung als Lehmwiese oder Lehmloch bezeichneten Stelle, einen neuen Sportplatz. Es ist der 4. Sportplatz, der von Somsdorfer Einwohnern geschaffen wurde. Als im Jahre 1893 die ersten Turnbegeisterten Einwohner unseres Ortes den Turnverein “Jahn” mit 35 Mitgliedern gründeten und hier ihren körperlichen Ausgleich suchten, kannten sie die Vielseitigkeit des Sportes noch nicht so wie wir ihn heute kennen. Aber im Oktober 1911 tauchte der Wunsch auf, sich einen eigenen Spiel- und Sportplatz zuzulegen. Aus diesem Grunde wurde seinerzeit mit Herrn Bauer Pahlitzsch senior um die pachtweise Ueberlassung des gleichen Stück Landes verhandelt, auf dem sich heute unser neuer Sportplatz befindet. Aber erst 40 Jahre später kam es zur Einigung, als Herr Bauer Pahlitzsch junior im Jahre 1951 den Pachtvertrag mit der Gemeinde Somsdorf abschloss. Die Sportler, die sich 1911 vergeblich um dieses Stück Land bemühten, schufen sich daraufhin 1913 die erste eigene Stätte für ihre turnerische Betätigung im Freien, den Turnplatz an der Pfarrallee. Bis zu dieser Zeit stand ihnen dafür nur der Garten des Gasthauses zur Verfügung. Durch verschiedene politische Anschauungen in der Zeit vor und nach dem 1. Weltkrieg trennten sich jedoch auch im Sport die Menschen entsprechend ihrer Einstellung zur Gesellschaft in 2 Gruppen, dem Turnverein “Jahn” und dem Arbeiter Turn- und Sportverein Somsdorf, der I925 gegründet wurde. Als im Jahre 1933 der Arbeiter Turn- und Sportverein zerschlagen wurde, ging dessen Besitz sowie die Sportgeräte in das Eigentum des Deutschen Turnvereins “Jahn” über. Die deutsche Niederlage des 2. Weltkrieges brachte auch im Sportleben eine grundsätzliche Wandlung. Alles bisherige wurde aufgelöst. Die Somsdorfer vollbrachten jedoch in ihrer Eigenschaft als

Für eine grössere Ansicht clicken Sie bitte auf das Bild

Sportler eine großartige Leistung. 1945 schlossen sich hier die Menschen, die bisher getrennt ihre Wege gingen, zu einer Sportorganisation zusammen, die jedoch I946 generell in der gesamten Ostzone wieder aufgelöst wurde. Erst I948 wurde mit neuen Richtlinien dem Sportbetrieb wieder stattgegeben. Am 3. November I948 begann mit der Gründung der Sportgemeinschaft Somsdorf

erneut das sportliche Leben in unserem Orte zu pulsieren. Allerdings sind die aktiven in überwiegender Zahl jugendliche Sportinteressenten und es ist zu bedauern, dass sich nicht noch mehr Ältere gefunden haben. Nun, aber auch in der jungen Sportgemeinschaft Somsdorf wurde 1949 die Forderung nach einem Sportplatz immer stärker. Viele Verhandlungen und Sitzungen waren nötig, ein geeignetes Stück Land in unmittelbarer Ortsnähe zu finden, und zu einer Einigung zu kommen. Am geeignetsten für diesen Zweck mit entsprechenden Ausmassen wurden hier 2 Felder von Herrn Bauer Pahlitzsch zur engeren Wahl gestellt. Bei den Verhandlungen um den Pachtvertrag mit Herrn Pahlitzsch einigte man sich jedoch auf das Gelände der ehemaligen Lehmwiese, dem heutigen Sportplatz, um das sich bereits die früheren Sportorganisatoren seit 1911 erfolglos bemüht hatten. In den Abendstunden des 30. Juni 1951 erfolgte auf diesem Gelände der feierlich umrahmte erste Spatenstich. Hieran beteiligten sich ca. 200 junge und ältere Einwohner unseres Ortes. Dieser schlichten Feier folgte am ersten Juli 1951 früh 7 Uhr der erste freiwillige Arbeitseinsatz, an dem sich ca. 70 Einwohner beteiligten. Der Arbeits-

enthusiasmus schien in den ersten Wochen grenzenlos zu sein, die Helfer konnten oftmals kaum an geeigneter Stelle eingesetzt werden, so dass eine geordnete Arbeitseinteilung meist schwerer durchzuführen war, als der gesamte Bau selbst. Durch die starke Beteiligung an den täglichen durchgeführten Arbeitseinsätzen, wobei an manchen Abenden oder Sonntagen bis zu I00 Feldbahnkipper Erdmassen transportiert wurden, glaubte man das Werk in einigen Monaten erfolgreich abschliessen zu können. Jedoch waren die ca. 6000 m³ Erde, die von

Für eine grössere Ansicht clicken Sie bitte auf das Bild
Für eine grössere Ansicht clicken Sie bitte auf das Bild

der Nordseite abzugraben waren und an der Südseite des Platzes aufzuschütten waren keine Kleinigkeit. Schließlich verließ nach den ersten 3 Monaten viele der freiwilligen Helfer der Mut und die Begeisterung, mit Ausnahme einiger weniger, die bis zur Vollendung der Bauarbeiten treu zur Sache standen. Aber trotz aller Schwankungen der Beteiligungzahlen konnten mit Abschluß des Jahres 1951

5200 freiwillig abgeleistete Arbeitsstunden verbucht werden. Die Wiederaufnahme der Bauarbeiten im Jahre 1952 brachte anfangs ein erneutes Aufflammen der Beteiligungszahlen, jedoch nicht in dem Maße, wie im Jahr zuvor. Man kann sogar sagen, daß 1952 die Beteiligung am schlechtesten von der gesamten Bautätigkeit war. Nur eine Gruppe von Menschen unseres Ortes ist die Weiterführung des Sportplatzbaues überhaupt zu verdanken und das waren die ältesten Einwohner Somsdorfs, unsere Rentner, von denen die meisten das 70. Lebensjahr bereits überschritten hatten. Als sichtbare

Für eine grössere Ansicht clicken Sie bitte auf das Bild

Anerkennung für ihren vorbildlichen und selbstlosen Einsatz war es möglich von 1952 ab diesen Männern einen kleinen Betrag von 50 Pfennigen je Arbeitsstunde zu zahlen, was jedoch niemals als Lohn für ihre Arbeit angesehen werden konnte. Das Geld hierfür war durch den Ministerpräsidenten des Landes Sachsen in einer Prämie von 5000 DM der SG Somsdorf zur Verfügung gestellt worden. Von diesem Gelde wurden außerdem noch dringend erforderliche Anschaffungen für den Sportplatz getätigt, so u. a. der Kauf von Tornetzen, Zaun-

Material, Beschleussungsrohre, Asche für die Laufbahn und viele andere Dinge mehr. Für das Jahr 1952 wurden insgesamt 3035 geleistete Arbeitsstunden verbucht. Etwas günstiger als 1952 gestalteten sich die freiwilligen Arbeitseinsätze im Jahre 1953, obwohl auch hier der größte Anteil der ausgeführten Arbeiten von den Rentnern getätigt wurde. Wenn wir auch die

Leistungen unserer Rentner nicht genug würdigen können, so darf dennoch nicht vergessen werden, daß auch all den anderen Helfern für ihre mühevolle Arbeit Dank und Anerkennung ausgesprochen werden muß. Im Jahre 1953 wurden 4366 freiwillig geleistete Arbeitsstunden gezählt, woran auch eine größere Beteiligung von Helfern gegenüber I952 zu erkennen ist. Bis Abschluß des Jahres I953 waren die größten Erdbewegungen abgeschlossen, die Laufbahn ausgehoben und zu 2/3 mit Asche ausgefüllt,

Für eine grössere Ansicht clicken Sie bitte auf das Bild

sowie 25 Zaunsäulen gesetzt. Man darf wohl sagen, das mit den bis Ende 1953 insgesamt 12601 geleisteten Arbeitsstunden der größte Teil der Arbeiten bewältigt ist. Im Jahre 1954 waren für die vollständige Fertigstellung des Sportplatzes noch ca. 1000 Arbeitsstunden nötig. Am 2. Juli I954 wurde der Sportplatz, im Rahmen der Somsdorfer Heimatwoche, feierlich eingeweiht. In den folgenden Jahren wurde der Sportplatz rege genutzt, so gab es eine eigene Somsdorfer Fußballmannschaft und Herr Rolf Geißler leitete bis in die 80er Jahre eine Leichtathletikgruppe. Leider verkam der Sportplatz im Laufe der Jahre immer mehr, die Aschenbahn ist komplett mit Rasen und Unkraut überwuchert. Mit der deutschen Wiedervereinigung ist das sportliche Leben nahezu vollständig zum Erliegen gekommen, sodas der Sportplatz heute als Pferdekoppel genutzt wird.