Der große Dorfbrand 1852


Am 7.Oktober 1852 war der schlimmste Brand in der Geschichte Somsdorfs. Den Flammen fielen viele Gutshöfe zum Opfer, insgesamt brennen an diesem Tag 35 Gebäude nieder. Im Sitzungsprotokoll des Gemeinderats vom 29.I0. I852 heißt es wörtlich:“Bei diesem Brande verloren 11 Gutsbesitzer, 4 Hausbesitzer, 6 Hausgenossen, 7Auszuegler, I9 weibliche und maennliche Dienstboten und 2Tageloehner ihre Wohnung und ihre Habe.”

Im Anschluß finden sie 2 Zeitungsartikel über den Brand.


Sächsische Dorfzeitung 14. Jahrgang 1852

Am 7. des Monats wurde das zwischen hier und Tharandt gelegene Kirchdorf Somsdorf durch eine furchtbare Feuerbrunst heimgesucht. Es brach naemlich an gedachten Tage mittags nach 2 Uhr im Seitengebaeude des Gutsbesitzers Karl Junold Feuer aus und verbreitete sich dasselbe bei dem bedeutendem Sturme mit solcher reissender Geschwindigkeit, dass in der Zeit von einer halben Stunde bald das halbe Dorf in Flammen stand. Waehrend viele Bewohner aus dem Niederdorfe ihren oberen Nachbarn ausraeumen halfen, wurden ihre unten liegenden Wohnungen durch das Flugfeuer in Brand gesetzt, und sie kamen zu spaet, um ihre eigenen Mobilien zu retten. An das loeschen der in Brand geratenen Haeuser war nicht zu denken; es musste nur alle Muehe angewandt werden, um das Feuer von den uebrigen Gebaeuden abzuwenden. Trotz der angestrengtesten Hilfe brannten 35 Wohn- und Nebengebaeude, Scheunen und Schuppen ab. Selbst das ziemlich weit entfernte Dorf Hainsberg schien in Gefahr, denn das brennende Stroh wurde von dem heftigen Winde bis nach Deuben hinab getrieben, gluecklicherweise ist bei diesem grossen Brandungluecke, welches, waere es in der Nacht ausgebrochen, leicht das ganze Dorf verheeren konnte, kein Menschenleben zubeklagen. Dagegen haben die Flammen fast die saemtlichen Wirtschaftsgeraehte, Mobilien, und Erntevorraete vernichtet. Denn bei der grossen Schnelligkeit mit welcher das entfesselte Element um sich griff, konnte nur wenig geborgen werden. Ueber die Entstehung des Feuers ist bis jetzt noch nichts bekannt. Moechten sich mildtaetige Herzen finden, welche die Ungluecklichen ihrer Habe und ihres Obdachs beraubten nach Kraeften unterstuetzen, beduerftig sind sie es, dies koennen wir aufgrund eigener Anschauung ersichern (Wir verweisen auf den Hilferuf im heutigen Beiblatt und bemerken, dass in unserer Expedition milde Beitraege angenommen werden D Red)

Sächsische Dorfzeitung vom 22 October I852

Tharandt, I9 October

Dass die in neuerer Zeit immer haeufiger vorkommenden Feuerbruenste nicht selten durch verbrecherisch Hand veranlasst werden, unterliegt leider keinem Zweifel mehr; auch wir haben heute einen Beleg zu dieser traurigen Wahrnehmung zu berichten. Am 2 September des Jahres brannte eine in hiesigem Orte gelegene Brotmuehle ab, ohne dass die Entstehungsursache des Feuers zu ermitteln gewesen waere ; am I8 September wurde die Besitzung des Gutsbesitzers Funke in dem nahe gelegenen Hintergersdorf ein Raub der Flammen und der ganze Ort hart bedroht, am 7 October endlich brach, wie den Lesern des Blattes bekannt, im K Junoldschen Gute zu Somsdorf Feuer aus, wodurch ein grosser Theil dieses Dorfes eingeaeschert wurde. Jetzt liegt der dringende Verdacht vor, dass alle diese Feuerbruenste von einem I6 jaerigem Maedchen angelegt worden sind Christiane Wilhelmine Freudenberg, die Tochter eines hiesigen Handarbeiters diente in der obengedachten Brotmuehle, verlies nach dem Brandunglueck ihren Dienst, zog in das Funke`sche Gut nach Hintergersdorf und als auch dort die Flammen die Habe ihres Brotherrn verzehrt hatten, vermiethete sie sich bei dem Gutsbesitzer K Junold in Somsdorf, wo ihre verbrecherische Hand bald darauf so unsaegliches Unglueck ueber eine grosse Anzahl von Familien brachte; denn wie man hoert, hat die Freudenberg die Somsdorfer Brandstiftung bereits zugestanden. Als Motiv des mit entsetzlichem Leichtsinn vollbrachtem Verbrechens wird Arbeitsscheu angegeben; die Freudenberg suchte naemlich sagt man, sobald als moeglich aus dem Dienste zu kommen und um dieses Ziel zu erreichen, zuendete sie mit ruchloser Hand die Besitzung ihrer Dienstherrschaft an! Die jugendliche Verbrecherin befindet sich im hiesigen K. Justizamte in Haft und Untersuchung.

Es gab damals für die Opfer einen Spendenaufruf in allen umliegenden Orten, selbst in Dresden wurde für die Somsdorfer gesammelt. In der “Sächsischen Dorfzeitung” vom 5.November 1852 findet sich dann eine Quittung über eingegangene Spenden für die Abgebrannten von Somsdorf. Es waren Spenden von insgesamt 13 Thaler, 28 Ngr. Die aus dem ganzen Lande eingegangen waren.